Die Führertafel und ein spätes Geständnis
Anfang der 1950er Jahre wurde an das Hotel Post das Büro des Verkehrsvereins Innerötztal angebaut, es nannte sich Verkehrsamt, obwohl es natürlich kein Amt war. Neben der Eingangstüre war die sogenannte Führertafel der „Führerstelle Sölden“ angebracht. Die linke Hälfte war den Bergführern vorbehalten, die rechte war für die Träger. Da wiederum galt jeweils die erste Spalte den „verfügbaren“ Bergführern oder Trägern, die zweite jeweils den aktuell „nicht verfügbaren“. Für jeden gab es ein schönes gemaltes Namenschildchen aus Holz, das je nachdem in die erste oder zweite Spalte geschoben wurde. Auf dieser Lohmann-Aufnahme ist offensichtlich gerade nur ein Bergführer und ein Träger verfügbar, alle anderen mit Gästen unterwegs. Wer von der Tour als Erster zurückkommt und sich im Büro meldet, wird in der Spalte als Erster gereiht und bekommt den ersten Auftrag.
Ein Teil der Sölder Bergführer-Garde 1962
Was tut ein Bub, der in der Nachbarschaft aufwächst und der gerade lesen gelernt hat?
Er bringt Ordnung in die vermeintliche Unordnung, die da bei den Täfelchen von Gstrein und dann erst Fiegl, und Schöpf und dann Fender, und Santer und dann Kneisl usw. herrscht.
Ich habe die Namen alphabetisch gereiht und in die erste Spalte geschoben: Fender vor Fiegl, wie es sich gehört, und Grüner vor Gstrein, und Santer vor Schöpf usw. Und natürlich auch noch den Serafin Fender vor den Vinzenz Fender und den Eberhard Kneisl vor den Paul Kneisl und den Paul Schöpf vor den Reinhard Schöpf usw.
Ich hab es nur gut gemeint mit dieser Fleißaufgabe und es ist mir auch nie jemand draufgekommen. Aber das Durcheinander, das ich da angerichtet habe, muss für alle (!) Betroffenen furchtbar gewesen sein.

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