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Sölder Vereine anno dazumal

Lange vor der Feuerwehr, dem Verkehrsverein, dem Skiklub oder der Musikkapelle gab es bereits jede Menge Vereine in Sölden.
Von der Wiege bis zur Bahre sozusagen.

 „Verein der heiligen Kindheit Jesu“
„Mitglieder des Vereines können sein: Kinder, selbst vom Tage der Taufe angefangen. (…) Der Zweck des Vereines ist die Rettung des Leibes und vorzüglich der Seele der armen chinesischen und von heidnischen Eltern geborenen Kinder.“

„Jungfrauenbund“
„Denke, wo immer du bist: Gott sieht mich. (…) Sei ein Spiegel der Sittsamkeit im Anzug, im Gang, im Blick und in deinem ganzen Benehmen. (…) Widerstehe jeder Versuchung im ersten Augenblick; rufe sogleich die heiligsten Namen Jesus und Maria im Herzen an – kämpfe und widerstehe mit ganzer Kraft. (…) Fliehe jeden unothwendigen Umgang mit dem anderen Geschlechte.“

Links das Verbündnis der Jungfrauen, rechts das Verbündnis der Jünglinge

„Jünglingsbund“
„Widerstehe im ersten Augenblick der Versuchung zur Sünde, (…) gedenke an die Angst des Todes, an die strenge Rechenschaft und an die Peinen der Hölle (…) Meide Streit und Raufhändel und sei keines Menschen Feind. Fliehe, christlicher Jüngling, das Laster der Trunkenheit, schlechte Kameradschaft, das Nachtschwärmen, den Tanzboden, den Spieltisch, vor allem aber den sündhaften Umgang mit Weibspersonen. Sei keusch, wenn du auch allein bist und dich Niemand sieht!“

„Ehefrauen-Bund in Sölden“
„Zweck des Bundes ist, die Ehefrauen anzuleiten, daß sie … in der Gemeinde christliche Zucht und Sitte hüten. (…) Verpflichtungen als Gattin: Grundsätzliches Vermeiden des sündhaften Mißbrauches der Ehe. Hausfrieden und Gattentreue. (…) Als Mutter: Gewissenhafte Pflege des Schamgefühls bei den Kindern, rechtzeitige Entfernung aus dem Schlafgemach, Trennung der Geschlechter, Verbot ärgerlicher Kleidung. (…) Als Hausvorgesetzte: Verbot sündhafter Bekanntschaften, Haustänze und Totenwachen.“

„Ehemänner-Bund Sölden“
„Zweck des Bundes ist, die Mitglieder anzuleiten, daß sie brave Ehemänner seien, mannhaft die gute Sache in der Gemeinde fördern. (…) Verpflichtungen als Gatte: grundsätzliche Vermeidung des Mißbrauches der Ehe und Gattentreue bis zum Tode. Als Vater: Überwachung vor allem der Schamhaftigkeit der Kinder. (…) Als Hausvorgesetzter: (…) keine unchristlichen Zeitungen, kein Dulden sündhafter Bekanntschaften, Haustänze und Totenwachen.“

„Mäßigkeitsverein an der Pfarrkirche Sölden“ (1892 gegründet)
„Der Mäßigkeitsverein hat sich zum Zweck gesetzt, der immer mehr überhandnehmenden Trunkenheit zu steuern. (…) Ich, Vinzenz Wilhelm, verspreche freiwillig und wohlüberlegt vor Gott dem Allmächtigen …. mich von gebrannten Getränken, und insbesondere von allen Arten des Branntweines enthalten, und bei dem Genusse anderer Getränke immer die christliche Nüchternheit beobachten werde.“

 „Rosenkranz-Bruderschaft“
„Die einzige Pflicht, welche die Mitglieder dieser Bruderschaft auf sich nehmen, besteht darin, daß sie im Verlaufe einer Woche alle 15 Gesetze des Rosenkranzes, jedoch in beliebigen Absätzen, beten.“

Darüber hinaus gab es noch

 die „Trostreiche Bruderschaft um Erlangung einer glückseligen Sterbstund“

die „Bruderschaft des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä“

die „Erzbruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu“

die „Erzbruderschaft vom heiligen Antlitze“ (gegründet 1895)

die „Christenlehrbruderschaft in der Curatie Sölden“

 den „Verein der ewigen Anbetung des heiligsten Sakraments“

und den „Gebeths-Verein zur Beförderung der thätigen Nächstenliebe unter dem besonderen Schutze und zur Verehrung des heiligen und unbefleckten Herzens Mariä“.

Diese Aufzählung ist unvollständig.

All das klingt für uns Heutige wie von einem anderen Stern.

Für die Einhaltung der durch die Mitgliedschaften auferlegten Pflichten (Andachtsübungen, Gebete, Messbesuche, Empfang der Sakramente, gute Werke, Spenden usw.) gab es vom Heiligen Stuhl verliehene Ablässe zu gewinnen, solche von 100 Tagen, sogenannte unvollkommene Ablässe und vollkommene Ablässe.

Aber das ist ein anderes Thema.

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