April 1938: vorher - nachher
Kein Mensch glaubt, dass in einer konservativen, hochkatholischen und zum größten Teil vaterländisch geprägten Gemeinde wie Sölden die Leute zu hundert Prozent am 10. April 1938 für den Anschluss an das Deutsche Reich gestimmt haben, auch wenn die Nazi-Propaganda mit Lügen und Versprechungen darauf hingearbeitet hat.
Auf diesem im ganzen Bezirk ausgehängten Plakat z.B. wurde der Bevölkerung vor dieser schicksalhaften Volksabstimmung schwarz auf weiß feierlich zugesichert:
„Niemand soll und darf an seinen religiösen Gepflogenheiten behindert werden. (…) Wir wollen ein einträchtiges Zusammenwirken … insbesondere mit der katholischen Kirche“.
Von wegen:
Der Religionsunterricht in der Schule wurde alsbald untersagt und musste in der Totenkapelle abgehalten werden, die Prozessionen wurden eingeschränkt und von der Straße verbannt, das Läuten der Glocken wurde reglementiert und vier Priester aus der Gemeinde (von Zwieselstein, Heiligkreuz, Obergurgl und Sölden) wurden über kürzere oder längere Zeit in Polizeihaft genommen.

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