Das Kochbuch der Cäcilia Gstrein von 1898
Peter Paul Gstrein, Bauernsohn von Wohlfahrt, heiratet 1854 die Judith Gstrein, Lehrertochter vom Rettenbach. 1861 kaufen sie den Unterwirt „Zum Hirschen“ in Längenfeld und ziehen mit den drei in Sölden geborenen Kindern Peter, Anton und Agnes dorthin, wo 1863 ihr viertes und letztes Kind Cäcilia auf die Welt kommt. Der Gasthof gewinnt unter den Gstreins bald an Bekanntheit und Ansehen und die Jungen wachsen im Betrieb auf und arbeiten schon sehr früh alle mit. Cäcilia übernimmt die Küche, deren Ruf sich schon bald bis Innsbruck durchgesprochen hat, und so bekommt sie den Auftrag, das veraltete und vergriffene Buch „Tiroler Küche“ von 1861 grundlegend zu überarbeiten und auf den neuesten Stand zu bringen.
Zeitungs-Annonce vom 1. Juni 1898
Das vierhundert Seiten starke Werk mit über elfhundert Rezepten bietet alles Mögliche und Unmögliche von der Internationalen Küche bis zur Hausmannskost, wie Cäcilia sie wohl von ihrer Mutter Judith, die vor ihr die Küche geführt hat, gelernt hat.
Das geht vom Aal am Spieß bis zum Zander im Ofen gebraten und vom Auerhahn (zehn Tage in eine Beize legen) bis zur gefüllten Taube und vom Ananas-Gefrorenen bis zu Zwetschken in Essig. Nicht alles, wie z.B. „amerikanisches Beefsteak“, „englischer Plumkuchen“, „französischer Gugelhupf“ oder „russische Pastete“, wird sie selber gekocht und im Hirschen angeboten haben.
Weit interesanter sind für uns die Rezepte aus der Region, die sie in die Hotel-Küche aufgenommen hat: Baunzen, Strauen, Weinschnitten, Krapfen, Wuchteln, Scheiterhaufen, Fastenknödel usw.
Cäcilia Gstrein, später mit ihrer Schwester Agnes Hälfte-Eigentümerin des Hirschen, ist 1939 verstorben. Ihr originelles Kochbuch ist nach dem Erscheinen im Jahre 1898 nie mehr neu aufgelegt worden

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