105 jüdische Flüchtlinge gelangen über den Timml (nicht) nach Palästina
1946/47 erfolgte der massenhafte Exodus vieler aus den KZ-Lagern befreiter Juden vor allem aus Osteuropa. Ihre Hoffnung und ihr Ziel war der in Palästina entstehende Staat Israel. Dabei wurden ausreiswillige Juden vor allem über Österreich nach Italien geschleust, wo in Genua Schiffe auf sie warteten. Diese organisierten Fluchtbewegungen waren größtenteils illegal, die Engländer, die damals noch Mandatsmacht in Palästina waren, wollten keine Neuankömmlinge und auch die französische Besatzungsmacht in Tirol ging immer rigoroser gegen die jüdischen Flüchtlinge vor, die über den Brenner oder den Reschen nach Süden durchzukommen suchten. So sah dann zum Beispiel eine Gruppe von mehr als hundert Leuten im Juli 1947 für sich nur mehr den Fluchtweg übern Timml offen.
Wie sie ins Ötztal kamen, wer sie bis Zwieselstein transportiert hat, ist unbekannt, auch in wie weit ihnen einheimische Führer geholfen haben. Es ist davon auszugehen, dass sie schlecht ausgerüstet und fast durchwegs bergunerfahren waren. Braucht man von Zwieselstein aus für gewöhnlich gut dreieinhalb Stunden auf den Timml, so dürfte diese Reisegruppe, darunter Frauen und Kinder, wohl eher sechs oder sieben Stunden gebraucht haben. Der Weg führte damals rechts neben der Gurgler Ache hinein zum Timmelsbach, von dort steil bergauf ins Timmelstal, am rechten Ufer hinten hinein und zuletzt über ein Steiglein in spitzen Kehren hinauf aufs Joch.
So wie hier jüdische Familien mit Kindern 1947 über den Krimmler Tauern ins Südtiroler Ahrntal unterwegs sind, darf man sich wohl auch die Füchtlinge über den Timml ins Passeiertal vorstellen (Foto: Archiv APC).
Während die österreichischen Grenzbeamten angewiesen waren, einfach nicht beim Fenster hinauszuschauen, verhielten sich die italienischen Finanzer einmal so und einmal so. In unserem Falle wurden am 5. Juli 1947 51 Flüchtlinge bei der Seeber Alm angehalten, völlig erschöpft und vom Regen durchnässt, und 54 weitere in der Nähe von Moos gestellt, oder wie es im Polizeibericht heißt „verhaftet“. Sie wurden nach Meran gebracht und am Reschen „den österreichischen Behörden überstellt“.

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