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Als der Zweite Weltkrieg nach Sölden kam

Am 29. Dezember 1944 sind im Gemeindegebiet von Sölden vier Sprengbomben, jede 250 Kilo schwer, abgeworfen worden. Wo? Im Niedertal bei Vent, in der Gegend um das Hermann Göring Haus (heute Martin-Busch-Hütte). Drei der Bomben explodierten, eine war ein Blindgänger.
Warum im menschenleeren Niedertal? Möglichweise war der Flieger der Alliierten auf dem Weg ins Wipptal, um die Eisenbahnverbindung über den Brenner zu treffen oder er musste, wie es oft geschah, auf einem Rückflug seine Last im Niemandsland abwerfen.
Ein paar Brocken von einer dieser Bomben befinden sich heute noch bei der Martin-Busch-Hütte.

Gegen Ende des Krieges, als der Gau Tirol-Vorarlberg in Reichweite der alliierten Luftstreitkräfte geraten war, kam es auch in unserer Gegend immer wieder zum Abwurf von Flugblättern durch die britische Royal Air Force (RAF) und die United States Army Air Forces (USAAF). Zwei solcher Vorfälle sind gut dokumentiert.
Mitte Juni 1944 wurde vom Grenzschutz am Gurglerferner sogenanntes „feindliches Propagandamaterial“ aufgefunden und am Gendarmerieposten Sölden abgeliefert. In Wahrheit war es Post vom künftigen Befreier, der wirkliche Feind saß seit 1938 im eigenen Land.

Original des in Gurgl aufgefundenen Flugblattes (Vorder- und Rückseite)

Am selben Tag und zur selben Stunde, als im Niedertal die Bomben fielen, wurden im Gemeindegebiet von Sölden auch „feindliche Flugblätter“ und die Zeitung „Rot-Weiß-Rot“ abgeworfen. Woraufhin laut Meldung des Bürgermeisters an die Kreispolizeibehörde eine Suchaktion nach weiterer „Feindpropaganda“ stattgefunden hat.

Ob immer alle entdeckten Flugblätter tatsächlich gemeldet und bei der Gendamerie abgeliefert wurden, ist die Frage, auch wenn hohe Strafen auf das Aufbewahren oder gar Weitergeben „feindlichen Agitationsmaterials“ drohten.

Schlussendlich hat die Gemeindeführung „39 Originalflugblätter“ allein von diesem Abwurf bei der Gestapo in Innsbruck eingebracht.

Die Flugblattzeitung „Rot Weiß Rot“, Untertitel: „Nachrichtenblatt für Österreich“ (oben die Originaldokumente aus Sölden), wurde von den britischen und US-amerikanischen Streitkräften herausgegeben und ab September 1944 in mehreren Ausgaben über der Ostmark abgeworfen. Die klare Botschaft am Zeitungskopf lautete:
„Die Regierungen Großbritanniens, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten wünschen die Wiedererrichtung eines freien und unabhängigen Österreichs. Bei der Schlussabrechnung wird unweigerlich berücksichtigt werden, wieviel Österreich selbst zu seiner Befreiung beigetragen hat.“

Aber bereits in den ersten Kriegsjahren gelangte Propaganda der Engländer über Flugballons auch immer wieder bis ins hintere Ötztal. Gummierte und mit Gas gefüllte Ballone transportierten an Zündschnüren aufgefädelte Päckchen von Flugblättern, die durch das Abbrennen derselben nach und nach, eins nach dem anderen, losgelöst wurden und von den Winden weitum verteilt zu Boden sanken.

Am 22. Oktober 1941 wurde so ein niedergeganger Ballon samt „Flugblatt-Verbreitungsvorrichtung“ auch auf Gaislach entdeckt, wobei allerdings keine Flugblätter mehr gefunden wurden.

Noch öfter gab es auch in unserer Gegend zwischen 1942 und 1944 sogenannte Störballone der Briten, auch Sabotageballone genannt. Diese Ballone mit einem Durchmesser von ca. 2 Meter waren entweder mit langen Stahlseilen ausgerüstet, um  Kurzschlüsse an Starkstromleitungen zu verursachen oder mit Brandsätzen versehen zur Auslösung von Bränden in Wäldern.

Ein solcher Störballon wurde am 1. August 1942 von einem Zollbeamten in der Nähe der Spiegelalm in Vent abgeschossen. Am 7. Oktober 1942 wurde ein Sabotageballon im Warenkar im Windach aufgefunden, am 1. Dezember 1942 war ein „Schleppdraht-Störballon“ im Weiler Moos niedergangen, am 31. März ein ebensolcher in Hl. Kreuz. Dokumentiert sind weiters Auffindungen in der Nähe des heutigen Sölder Klärwerks am 8. August 1943 und 300 m nördlich von Zwieselstein am 28. Jänner 1944.

Teile einer Sprengbombe vom Dezember 1944, die sich heute noch bei der Martin-Busch-Hütte befinden. 

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