„Wildspitzheiland“
Die oben abgebildete Ansichtskarte, adressiert an Excellenz Bischof Sigismund Waitz in Innsbruck, ist am 11. August 1934 in Sölden aufgegeben worden und enthält folgenden Text:
„Von der unvergeßlich schönen Feier des 1. hl. Messopfers am Wildspitzkreuz am 9.VIII. um 10h vorm. die ergebensten Grüße“
Unterschrieben haben: Dr. Lampert als „Zelebrant“, der Grieser Kaplan Albuin Guggenbichler (1907 Initiator des Bergführervereins und 1933 des Wildpitzkreuzes), der Benediktinerpater Odilo Flagel (der auch einen großen Bericht von der Feier im Grazer Volksblatt veröffentlicht hat), der aus Längenfeld gebürtige Franziskanerpater Bartl Viertler, der Sölder Bürgermeister Veit Alois Riml, der Fotograf Kajetan Fiegl, der Kaplan Anton Lippe aus Graz und der Sekretär des Bischofs Otto Albrecht. Insgesamt haben mit dem Pfarrer Thomas Walch aus Holzgau und dem Heiligkreuzer Kaplan Adolf Netzer sieben Priester an der Messfeier auf der Wildspitze teilgenommen.
Der Hauptzelebrant Dr. Carl Lampert war zu dieser Zeit Rektor des Päpstliches Instituts Santa Maria dell’Anima im Vatikan. 1944 wurde er nach jahrelanger politischer Verfolgung und Internierung u.a. in den Konzentrationslagern Dachau und Sachsenhausen als weltweit ranghöchster Vertreter der katholischen Kirche von den Nazis durch das Fallbeil hingerichtet.
Die Einweihung des Kreuzes selbst hatte bereits ein Jahr vorher stattgefunden. Am 11. September 1933 war es von jungen Bergführer von Vent aus auf die Wildspitze hinaufgetragen, zwei Tage später dort aufgestellt worden. Am 19. September wurde es unter großer Teilnahme eingeweiht, allein die am Gipfel geplante Messe war aufgrund von Sturm und Schneegestöber nicht möglich. Wohl aber verlas der Bergführer Wendelin Riml oben noch das vom bekannten Priesterdichter Bruder Willram zu diesem Anlass eigens verfasste Gedicht. Schwülstig und blutrünstig wie immer bei ihm, martialisch und oft unfreiwillig komisch schlägt er einen weiten Bogen von Golgotha zur Wildspitze. Und da darf bei Bruder Willram auch die „zerrissne Heimat“, der „herzblutrote Aar Tirols“ und das „Volk in Schmach und Not und Jammer“ niemals fehlen.
So katholisch und so patriotisch es da noch zugegangen war, so rasch ist dann schon am 14. März 1938 von fanatischen Nationalsozialisten „unter dreifachem Sieg Heil“ die Hakenkreuzfahne neben dem Gipfelkeuz aufgepflanzt worden.
Nach der seinerzeitigen Aufstellung und Einweihung durch die Ötztaler hatten sich übrigens die Pitztaler beschwert, davon nicht verständigt und dazu nicht eingeladen worden zu sein, schließlich sei die Wildspitze „Eigentum des Pitztales.“ Die Ötztaler erwiderten bloß, es hätte sie sehr gefreut, wenn auch Pitztaler an der Feier teilgenommen „und auch geldlich das Werk unterstützt hätten“.

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