Skip to content

Was der Wütenbach erzählt

„Wos oamol ischt, ischt wieder“, haben die Alten gesagt. Soll heißen: Was einmal passiert ist, kann wieder geschehen. Und: „Wos sein konn, ischt.“, lautet eine weitere Erfahrung.

Und so war es und so ist es.

1725

„Im Juli des Jahres 1725 schwoll der Wüthenbach bei Kaisers im Becken von Sölden so an, daß die angrenzenden Wiesen und Felder zehn und mehr Schuh hoch überschwemmt wurden. Das Achwasser, durch den Muhrschutt in seinem Lauf gehemmt, staute sich zu einem See, durch dessen späteren Ausbruch allein im Ötztal fünfzehn Brücken weggerissen wurden.“

 Rudolf Schwarz, Muren und Murschäden im Ötztal (1963)

1857

„Der ‚Wüthebach‘, der von den Stubeifernern herniederkommt, ist einer der gefährlichsten Zerstörer, weil er sogar zu Zeiten kommt, wo man ihn gar nicht erwartet — ohne Regen und Wetter! Sonst klein und unscheinbar kommt er auf einmal donnernd und polternd daher, daß es ein Grausen ist zuzuschauen. Und merkwürdiger Weise ist dies zwischen Peter und Pauli und Jakobi gewöhnlich der Fall. Das machte viele schon nachdenken! Als vor 30 Jahren der Wüthebach um Jakobi den Oetzbach absperrte, war gerade ein Scheibenschießen in Sölden; die Schützen von Umhausen konnten nicht hereinkommen und mußten weit über die Gebirge auf Umwegen dahin gelangen. Von seiner unbändigen Natur hat dieser Bach seinen Namen „Wüthebach“ erhalten. Dieser Bach kam auch 1857 mit seinen Steinverwüstungen am 8. Juli herab und überdeckte Land und Straße so hoch, daß die Leute lange Zeit mit der Herstellung beschäftigt waren. Man sagt diesem Wütherich von einem Bache auch nach, daß er einmal die Oetzthaler Ache so abgesperrt habe, daß er weit gegen Sölden hinauf als See angeschwollen wurde, was man auf dem Wege nach Sölden bei der Kapelle am Wege sehen kann.“

Johann Nep. Ritter von Alpenburg, „Ins Oetzthal“ (1857)

1865

„Am 11. Juli Abends erschienen die ersten Muhren an der Spitze des erwähnten Kegels, verlegten mit hohem Schutt den nördlich in altes Gerölle unschädlich abfallenden Runst und brachen schnurgerade über die Mitte des Kegels einen fast neuen, 4–6 Klafter tiefen Runst ausfressend, der Ache zu eben an jener Stelle, wo ihr Bett rechts durch den alten Muhrkegel, links durch Felsenwände am meisten eingeengt ist. Um 4 Uhr Früh am 12. Juli ging die letzte und größte Muhre ab, welche das ohnehin sehr eingeengte Bett der Ache viele Klafter hoch wie durch einen Archenbau versperrte, so daß über eine Stunde lang so zu sagen kein Tropfen Wasser mehr abfloß und sich bald zu einem 4–500 Klafter (ca. 950 m) langen See aufstaute, aus welchem die Kapelle von Kaiser nur noch mit dem Dache und durch mehrere Tage noch mit der höchsten Spitze der Fenster hervorstand. Dieser See setzte die beiden Höfe von Geherde und eine bedeutende Fläche der Felder von Kaiser bis zunächst an die Häuser unter Wasser.“

Tiroler Stimmen, 17.7.1865

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen
Suche