Der patriotische Pfarrer Suitner
Aufgebaut wie ein Feldaltar oder auch wie eine Rednertribüne für einen hohen politischen Anlass präsentiert sich hier der Balkon vom Sölder Widum. Links der wiedereingeführte Doppeladler des Ständestaates, rechts der Tiroler Adler und in der Mitte das Kruckenkreuz der Vaterländischen Front, der von Engelbert Dollfuß 1933 verordneten Einheitspartei in Österreich. Wenn ein Pfarrhaus, zu welchem konkreten Anlass auch immer, solcherart dekoriert wird, scheint die historisch gebräuchliche Bezeichnung der Jahre bis 1938 als Klerkalfaschismus durchaus angebracht.
Rechts aus dem Bild weht die Tiroler Fahne, links und nicht im Bild vermutlich die österreichische. Die Tafeln mit den Wappen sind offensichtlich passgenau in die Fenster eingefügt, vermutlich extra dafür angefertigt, und wirken wie Seitenaltäre neben dem mit Blumen geschmückten Hochaltar mit dem taxenumwundenen Kreuz dahinter.
Josef Suitner, der auf dem Foto mit sechs ca. zehnjährigen Mädchen in Wintermänteln zu sehen ist (im Garten liegen Schneereste) war 1897/98 als Kooperator in Sölden und als Pfarrer dann von 1904 bis 1950.

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare