Die Spanische Grippe in Sölden
In den Jahren 1918 bis 1920 wütete auf der ganzen Welt die sogenannte „Spanische Grippe“, die von den USA ihren Ausgang genommen hatte. Ihr fielen insgesamt bis zu 100 Millionen Menschen zum Opfer. Bereits im Juni 1918 grassierte sie auch schon in Tirol und bald auch in unserer Gemeinde. Auch wenn in den Matriken selten dezidiert die „spanische Grippe“ als Todesursache angegeben wird (wie oben im Sterbebuch der Kuratie Hl. Kreuz), so sind doch die allermeisten mit „Grippe“ oder „Lungenentzündung“ bezeichneten Todesarten in diesen drei Jahren mit Sicherheit der auch Spanische Krankheit oder Spanisches Fieber genannten Pandemie zuzurechnen. Allein im Ort Sölden verzeichnete man damals acht Sterbefälle durch Lungenentzündung und drei infolge von Grippe.
Anna Prantl aus Sölden, zu dieser Zeit Lehrerin in Zwieselstein, schreibt im Oktober 1918 an ihre Schwester Cilli Prantl, Widumhäuserin in Tobadill:
„(…) Daheim traf ich es wohl meistens „spanisch“ an. Die andern sind besser, aber Peter hat es wieder ein zweitesmal. In vielen Häusern sind wohl fast alle krank. Das Hl. Geistamt war erst am 15.10. Somit ging ich noch dort [Orgel] spielen, weil der ganze Chor spanisch ist. Nachmittag bin ich ins Grüne [Zwieselstein] bei starkem Regen. Es kamen nur acht Kinder, weil alle krank sind, habe diese auch bald gehen lassen. Heute habe ich wieder so wenig. In Zwieselstein ist kein Haus ohne Kranke. Beim Sepl ist Maria und die Dirna im Bett und der Jagl in der Stube. Hat Sefa wohl viel Arbeit. Maria ist wohl sehr schlecht. (…)“

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